Einstieg: Check-in & KI-News
Checkpoint zu Tag 15: die Beziehung zwischen KI und Change Management, die
Definition von Change Management und die ersten vier Stufen von Kotters
Modell. Dazu die wiederkehrende KI-News-Runde.
Block 1 — Wiederholung & Aufgabe „Meravon 2.0”
Wiederholung der Übersichtsgrafik zu Kotters acht Stufen, danach die
Fortsetzung des Falls aus Tag 15: Bei der MERAVON GmbH soll ein konkretes
Format entwickelt werden, mit dem die Nutzung von MS Copilot weiter gestärkt
und ausgebaut wird. Leitfragen: Wer ist die Zielgruppe, wie sieht das Format
und seine Durchführung konkret aus, wie wird der Erfolg der Maßnahme
sichergestellt, und welche Stufen von Kotters Modell adressiert das Format?
Rahmen: wieder Dreiergruppen, aber neu zusammengestellt, 45 Minuten
Bearbeitungszeit, anschließend Vorstellung im Plenum.
Als Exkurs die RACI-Matrix zur Klärung von Verantwortlichkeiten:
R (Responsible, führt die Aufgabe aus), A (Accountable, trägt die
Gesamtverantwortung und legt Rechenschaft ab), C (Consulted, wird vor oder
während der Umsetzung um Input gebeten) und I (Informed, wird über Stand
oder Ergebnis informiert). Zwei Arbeitsregeln laut Deck: „Nur ein A pro
Task!” und „…vergesst die I’s nicht!”.
Block 2/3: Kotters Stufen 5 bis 8
Stufe 5: Hindernisse beseitigen. Menschen müssen in die Lage versetzt
werden, die Veränderung umzusetzen. Typische Hindernisse bei KI: fehlende
Kompetenzen, unklare Regeln, schlechte Datenqualität, Angst vor Fehlern,
fehlende Zeit zum Lernen, unklare Verantwortung, Misstrauen gegenüber
KI-Ergebnissen, technische Hürden, fehlende Führungsvorbilder. Maßnahmen:
Schulungen, Prompting-Trainings, KI-Guidelines, Datenschutzklärung,
Pilotbereiche, Ansprechpersonen, Lerncommunities, Supportformate, klare
Governance. Sechs Kommunikationshebel: früh in die Gestaltung einbeziehen
(„aus Betroffenen Beteiligte machen”), trainieren, Anreize setzen und
Meilensteine feiern, proaktiv auf Widerstand zugehen, zuhören und Themen
schnell angehen, durch Vorbild führen. Als Exkurs die Retrospektive als
festes Feedback-Format, regelmäßig statt nur bei Problemen, mit
strukturiertem Rahmen, Beteiligung aller, Fokus auf Verbesserung statt
Schuld, direkter Ableitung von Maßnahmen und frühem Erkennen von Problemen.
Stufe 6: Erfolge sichtbar machen. Beispiele für schnelle KI-Erfolge:
automatische Meeting-Zusammenfassungen, schnellere Berichtsentwürfe,
intelligente Suche im Wissensmanagement, interner Chatbot, Unterstützung im
Kundenservice, automatisierte Dokumentenklassifikation, Assistenz bei
E-Mail- und Textentwürfen. Wichtig: Quick Wins müssen sichtbar, glaubwürdig
und relevant sein und dürfen nicht künstlich inszeniert wirken.
Stufe 7: Erfolge ausbauen. Nach ersten Erfolgen darf die Veränderung
nicht stehen bleiben. Leitfragen: Welche Pilotprojekte funktionieren, was
kann skaliert werden, welche Prozesse müssen angepasst werden, welche Rollen
verändern sich, welche Bereiche können zusätzlich profitieren, welche
Governance braucht es? „Der erste Chatbot oder das erste KI-Tool ist nicht
das Ende der Transformation. Es ist meist der Startpunkt für tiefere
Veränderungen in Prozessen, Rollen und Entscheidungslogiken.”
Stufe 8: Veränderung verankern. KI wird verankert durch Standards,
Rollenprofile, Kompetenzmodelle, Führungsinstrumente, Onboarding,
Zielsysteme, Prozessbeschreibungen, Governance, Lernkultur und
Erfolgsmessung. „Eine KI-Transformation ist erst dann erfolgreich, wenn KI
nicht mehr als Sonderprojekt wahrgenommen wird, sondern als natürlicher
Bestandteil der Arbeitsweise.”
Zusammenfassung laut Deck: Das Modell ist ein hilfreicher
Orientierungsrahmen, sollte aber nicht zu starr angewendet, sondern gerade
bei Digitalisierung, KI und agilen Arbeitsformen flexibel genutzt und um
partizipative, iterative und agile Methoden ergänzt werden. Stichwort New
Work.
Kritische Reflektion: Stärken und Schwächen von Kotters Modell
Die Dozentin hat mit NotebookLM einen Podcast zu Stärken und Schwächen des
Modells erzeugt; die Teilnehmenden hören ihn und notieren dabei die
dargelegten Punkte sowie die Gründe, warum Kotter sein Modell
weiterentwickelt hat. Anschließend werden die Punkte in der Runde gesammelt.
Stärken: klare, leicht verständliche Schritt-für-Schritt-Struktur;
starker Fokus auf Menschen (emotional, kommunikativ, kulturell mitnehmen);
Bedeutung von Führung; gute Praxisorientierung (Digitalisierung,
KI-Einführung, Restrukturierung, Kulturwandel); Betonung von Kommunikation;
Nachhaltigkeit durch kulturelle Verankerung.
Schwächen: sehr linearer Aufbau, während reale Prozesse dynamisch,
parallel und mit Rückschritten verlaufen; begrenzte Flexibilität bei agilen
Veränderungen; starker Top-down-Fokus, wenig Beteiligung, Selbstorganisation
und Bottom-up; Gefahr künstlicher Dringlichkeit, die Widerstand, Stress und
Vertrauensverlust erzeugen kann; wenig konkrete Methoden (keine Werkzeuge
für Stakeholderanalyse, Kommunikationsplanung, Kompetenzaufbau); und die
Einsicht, dass Unternehmenskultur sich nicht verordnen lässt.
Block 4: KI und Change Management
Ausgangspunkt: „Bei KI-Projekten ist die technische Einführung oft schneller
als die menschliche Akzeptanz.” KI-Transformation wird als Zusammenspiel von
Menschen, Prozessen, Kultur und Führung dargestellt.
Typische Reaktionen auf Veränderung: Hoffnung, Angst, Widerstand,
Überforderung, Skepsis, Neugier, Abwarten, aktive Unterstützung. Bei KI
besonders häufig: Angst vor Arbeitsplatzverlust, Sorge vor Kontrollverlust,
Misstrauen gegenüber Algorithmen, Unsicherheit über neue Kompetenzen,
ethische Bedenken, Zweifel an der Datenqualität, Angst vor Überwachung,
Sorge um die eigene Relevanz. Wichtiger Satz: „Widerstand ist nicht
automatisch irrational. Oft ist er ein Hinweis darauf, dass Bedürfnisse,
Risiken oder offene Fragen noch nicht ausreichend adressiert wurden.”
Als Exkurs der Dammbruch-Effekt: Ein einziger Rückschritt kann das
Gefühl erzeugen, das gesamte Vorhaben sei gescheitert, und alle guten
Vorsätze mitreißen. Rigide Alles-oder-nichts-Ziele sind anfälliger als
flexible Ansätze, die kleine Ausrutscher einplanen, laut Deck die
psychologische Erklärung dafür, warum Kotters Betonung kurzfristiger Erfolge
und inkrementeller Schritte so wichtig ist.
Warum KI-Change besonders ist, in vier Ebenen: technologisch (neue Tools,
Automatisierung, Datenmodelle, Schnittstellen, Systemintegration),
prozessual (Aufgaben werden neu verteilt, Entscheidungen datenbasierter,
Routinearbeiten automatisiert, Kontroll- und Freigabeprozesse ändern sich),
kulturell (Umgang mit Fehlern, Experimentieren, Lernbereitschaft, Führung
gibt Orientierung) sowie ethisch und rechtlich (Datenschutz, Transparenz,
Bias, Verantwortung, Nachvollziehbarkeit, Kontrolle, Regulierung).
Sechs Spannungsfelder: Effizienz vs. Arbeitsplatzsicherheit, Automatisierung
vs. menschliche Verantwortung, Innovation vs. Regulierung, Datenpotenzial
vs. Datenschutz, Experimentieren vs. Kontrolle, Standardisierung vs.
individuelle Arbeit. Dazu neun Rollen in der KI-Transformation
(Geschäftsführung, Führungskräfte, IT, HR, Datenschutz/Legal, Betriebsrat,
Fachbereiche, Change Manager, Mitarbeitende) mit je eigener Aufgabe.
Zum Umgang mit Widerstand zunächst die typischen Sätze („KI ersetzt doch
meinen Job”, „Ich verstehe nicht, wie das System entscheidet”, „Das ist nur
ein weiteres Tool, das keiner nutzt”, „Wir haben keine Zeit”, „Unsere
Datenqualität reicht nicht”, „Was passiert mit meinen Daten?”, „Ich möchte
nicht von einer Maschine kontrolliert werden”), dann die Coach-Perspektive:
Widerstand als Signal statt als Problem verstehen, nach dem dahinterliegenden
Bedürfnis fragen (Sicherheit, Kontrolle, Anerkennung vergangener Leistung,
Angst vor Gesichtsverlust), Neutralität und Wertschätzung statt
Gegenargumentation, fragen statt konfrontieren. Acht konkrete Zuordnungen:
Angst vor Arbeitsplatzverlust → transparente Kommunikation; Misstrauen →
Erklärbarkeit, Demos, Piloten; Kompetenzunsicherheit → Schulungen und Peer
Learning; Zeitmangel → Lernzeit offiziell einplanen; Datenschutzsorgen →
klare Richtlinien und FAQs; Führungsskepsis → Führungskräfte früh befähigen;
Tool-Müdigkeit → Nutzen an echten Arbeitsproblemen zeigen; Kontrollverlust →
Transparenz über KI-Entscheidungen.
Abschluss: Das nehmen wir mit
Vier Punkte laut Deck: Kotters Stufen 5 bis 8; die Stärken und Schwächen des
Modells; welche Hürden es beim KI-Change-Management gibt und wie man sie
umgeht; und wie man KI-Change-Management erfolgreich im Unternehmen
durchführt. Das Fazit fasst sieben Sätze zusammen, darunter: „KI-Projekte
sind keine reinen IT-Projekte”, „Akzeptanz entsteht durch Sinn, Beteiligung,
Befähigung und Vertrauen” und „Erfolgreicher Wandel endet nicht mit dem
Tool-Launch, sondern mit veränderten Arbeitsweisen.” Ausblick auf Tag 17:
„KI in der Führung!”