Einstieg: Checkpoint & Wiederholung
Rückblick auf Tag 13 und 14: die drei Schlüsselfragen des EU AI Act und die
ab August 2026 geltenden Pflichten, die Mitbestimmung des Betriebsrats und
der Schritt von Quick Wins zu Leuchttürmen. Dazu die wiederkehrende
KI-News-Runde.
Block 1: KI-Wissen weitergeben: Was ist Change Management?
Ausgangspunkt ist der Vorsprung der Gruppe selbst: „Ihr habt 14 Tage mit KI
gearbeitet … Das ist ein Vorsprung – den die meisten in eurem Umfeld nicht
haben.” Daraus die Leitfrage des Tages: Wie bringt ihr das jetzt ins Team?
Das Deck benennt drei Widerstände, denen man dabei begegnet: Ablehnung
(aktives Nicht-Wollen), Skepsis (passives Zweifeln) und
Gleichgültigkeit (stilles Ignorieren, kein persönlicher Nutzen
erkennbar).
Zur Einordnung werden Zahlen zur KI-Nutzung in Deutschland wiederholt (67 %
der Deutschen nutzen generative KI-Tools, jedes dritte Unternehmen nutzt
aktiv) sowie eine Reihe von Befunden: KI wird persönlich überwiegend als
Chance gesehen, aber mit Sorgen; die Angst nimmt mit der Nutzung ab; im
Unternehmenskontext fehlt häufig das Geld für größere Investitionen, der
offizielle Technologiezugang bleibt gerade in kleineren Unternehmen
verwehrt, die Nutzung bleibt oft auf Kundenservice und Marketing beschränkt,
und Unklarheiten und fehlendes Know-how hemmen sie. Fazit der Folie 35:
„KI-Einführung in Unternehmen ist deutlich komplexer als nur den
Technologiezugang zu ermöglichen.”
Als externer Beleg dient das BCG Henderson Institute („AI Will Reshape More
Jobs Than It Replaces”, 03.04.2026): langsamerer Stellenabbau mit 10–15 %
vollständig wegfallenden Jobs in fünf oder mehr Jahren, gleichzeitig
Entstehung neuer Rollen und ein überproportionales Risiko für
Einstiegspositionen, weil genau deren Routineaufgaben heute am besten von KI
erledigt werden.
Darauf folgt der Kern des Blocks: Studien zum Scheitern von KI-Initiativen
zeigen konsistent, dass Scheitern überwiegend organisatorisch und nicht
technologisch bedingt ist — „Bei KI-Projekten ist die technische Einführung
oft schneller als die menschliche Akzeptanz. Genau hier setzt Change
Management an.” Das „Bermuda-Dreieck der KI-Erwartungen” fasst die drei
typischen Fehlhaltungen zusammen: „Nur Hype”, „KI-Terminator holt unsere
Jobs” und „KI-Wunschdenken – jetzt können wir alles automatisieren”.
Die Definition im Deck: Change Management ist „die strukturierte Planung,
Steuerung und Begleitung von Veränderungsprozessen in Organisationen mit dem
Ziel, neue Strategien, Strukturen, Prozesse, Technologien oder
Verhaltensweisen erfolgreich einzuführen und nachhaltig zu verankern”, mit
den fünf tragenden Bestandteilen strukturiert, Planung und Steuerung,
Begleitung, Organisation und Nachhaltigkeit. Eine Begriffstabelle grenzt
Change, Change Management, Transformation, Transition, Adoption, Resistance,
Readiness und Stakeholder voneinander ab. Als Exkurs dient die indische
Fabel von den blinden Männern und dem Elefanten.
Zur Geschichte: früher Organisationsentwicklung und Verhaltenswissenschaften
(Lewin 1947, Hawthorne-Studien 1924–1932, Maslow 1943), heute die
Entwicklung von punktuellen Veränderungsprojekten hin zu kontinuierlicher
Transformationsfähigkeit. Zwei Modelle werden namentlich vorgestellt: das
ADKAR-Modell (Awareness, Desire, Knowledge, Ability, Reinforcement,
Veränderung auf individueller Ebene) und Lewins 3-Phasen-Modell
(Unfreezing, Changing, Refreezing), jeweils mit einem KI-Beispiel.
Block 2: Kotters 8 Stufen: Stufe 1 bis 4
Kotters Modell entstand aus der Analyse zahlreicher Veränderungsprojekte,
erstmals veröffentlicht 1995 in „Leading Change: Why Transformation Efforts
Fail”. Kotters Befund: Veränderungsinitiativen scheitern nicht an der
Strategie, sondern an Umsetzung und menschlichem Verhalten, fehlende
Dringlichkeit, mangelnde Führung, unklare Kommunikation, Widerstände,
zu frühe Zufriedenheit nach ersten Erfolgen.
Stufe 1: Dringlichkeit erzeugen. Die Organisation muss verstehen, warum
Veränderung notwendig ist. Bei KI: Wettbewerber nutzen bereits KI, Kunden
erwarten schnellere Services, Prozesse sind zu langsam oder teuer, Daten
werden nicht genutzt, Fachkräftemangel erfordert Automatisierung,
Mitarbeitende nutzen KI möglicherweise schon unkoordiniert. Typische Fehler:
Veränderung wird nur als Managementwunsch kommuniziert, es fehlt
nachvollziehbarer Handlungsdruck, die Risiken des Nicht-Handelns bleiben
unsichtbar. Dazu die 15-Minuten-Aufgabe nach eigenen Praxisbeispielen.
Stufe 2: Führungsteam aufbauen. Eine KI-Taskforce aus Geschäftsführung,
IT, HR, Legal, Datenschutz, Kommunikation und operativen Fachbereichen; IT
allein reicht nicht. Ergänzt um Rogers’ „Diffusion of Innovation” (1962) und
drei Führungsrollen: Navigator (Richtung geben und Strategie gestalten),
Driver (Umsetzung sichern und Verantwortung leben) und Enabler
(Menschen befähigen und Lernkultur fördern). Dazu die KI-Schlüsselrollen, die
je nach Haus „AI Champions”, „AI Ambassadors”, „AI Power User” oder „KI
Lotsen” heißen und bei AITI KI-Botschafter, mit der ausdrücklichen
Warnung: „Change ist ein Prozess – keine Ein-Frau-Show. Nie: Person X macht
KI schon bei uns!”
Stufe 3: Vision entwickeln. Eine gute KI-Vision beantwortet sechs
Fragen: Warum machen wir das, was soll besser werden, welche Rolle haben
Mitarbeitende, welche Grenzen gibt es, welche Werte leiten uns, wie sieht
Erfolg aus. Das Deck zeigt eine Beispielvision (Entlastung von
Routinetätigkeiten, datenbasiertere Entscheidungen, schnellerer und
persönlicherer Kundenservice, verantwortungsvoll, transparent,
menschzentriert).
Stufe 4: Vision kommunizieren. Formate laut Deck: Townhall Meetings, MS
Teams Live Sessions, FAQ-Seiten, kurze Videos, Führungskräfte-Briefings,
Use-Case-Demos, Erfahrungsberichte, offene Fragerunden, Intranet-Beiträge.
Grundsätze: offen und klar, gut vorbereitet, einfach, „immer wieder das
Gleiche – von verschiedenen Personen und über verschiedene Kanäle”.
Kommunikation ist kein einmaliger Informationsakt, sondern ein dauerhafter
Dialog; bei KI besonders wichtig, weil Unsicherheit und Gerüchte schnell
entstehen. Als Beispiel dient JFKs Moonshot-Rede.
Praxisübung: MS-Copilot-Einführung bei der MERAVON GmbH
Fall: MERAVON GmbH, Maschinenbau, 3.000 Mitarbeitende, Standorte München,
Wien und Warschau. MS Copilot wird am 01. Oktober 2026 für alle freigeschaltet,
Lizenzen bezahlt, Betriebsrat hat zugestimmt, Datenschutz und Compliance
sind geklärt. Offen bleibt allein: Mitarbeitende könnten Rückfragen haben.
Aufgabe: Welche Formate würdet ihr einsetzen, um die Nutzung nachhaltig
anzutreiben? Als Inspiration nennt das Deck monatliche KI-News für
Führungskräfte, ein regelmäßiges KI-Café als offenen Austausch, ein
wöchentliches „Mitarbeiter stellen vor”, Online-Schulungen und ein
Buddy-System. Pro Format zu beantworten: Zielgruppe, Format, Frequenz und
Ziel. 60 Minuten Gruppenarbeit in fünf Gruppen à drei Personen, Ergebnis ist
eine Präsentation von sieben Minuten mit maximal drei inhaltlichen Slides.
KI-Nutzung ist erlaubt, mit dem Hinweis „achtet auf eure Tokens”.
Vorstellung der Gruppenergebnisse im Plenum.
Briefing: Abschlusspräsentation Modul 1
Vorstellung der Abschlusspräsentation mit Pflichtbestandteilen, Format,
Feedback-Regeln und der freiwilligen AITI-Vorlage, im Repository als
eigener Baustein erfasst. Kernsatz: „Es geht nicht darum, den Kurs
zusammenzufassen. Es geht darum zu zeigen, was ihr gelernt habt – und wohin
ihr wollt.” Die drei Leitfragen lauten WER (Positionierung: Hintergrund,
Rolle, Branche), WAS (KI-Kernkompetenzen, belegt durch konkrete Beispiele)
und WOHIN (nächster Schritt, beruflich und mit KI).
Was laut Deck überzeugt: Wert kommunizieren statt Technik erklären, konkrete
Beispiele statt Begriffe, einen starken Prompt als Beleg vorführen, die
ersten zwei Minuten als klaren Pitch nutzen, selbstbewusst auftreten. Was zu
vermeiden ist: jeden gelernten Begriff erklären, den Kurs zusammenfassen, zu
bescheiden sein, sich in technischen Details verlieren, Folien vollpacken.
Abschluss: Das nehmen wir mit
Drei Punkte laut Deck: Wir verstehen, dass KI deutlich mehr ist als eine
reine Technologieeinführung; wir haben die ersten Methoden des Change
Managements erlernt; wir haben die ersten Konzepte für Change in Unternehmen
selbst entwickelt und präsentiert. Kernsatz: „KI-Transformation ist keine
reine Technologieeinführung. Sie ist ein kultureller, organisatorischer und
menschlicher Veränderungsprozess.” Ausblick auf Tag 16: „Was sind die
nächsten 4 Schritte im Kotter-Modell?”